Wenn etwas nicht stimmt
Erste Orientierung bei Diskriminierung und Machtmissbrauch am Arbeitsplatz
Erste Orientierung bei Diskriminierung und Machtmissbrauch am Arbeitsplatz – wahrnehmen, benennen, klären, entscheiden und verarbeiten.
Verstehen
Hier sammeln wir, was uns selbst geholfen hat: deine Situation einzuordnen, Worte zu finden und die nächsten Schritte in Ruhe abzuwägen. Geschrieben von Betroffenen, ergänzt von Fachpersonen aus dem Netzwerk.
Diese Seite bietet Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung oder Therapie.
Key Learnings aus dem Netzwerk
Lass dich nicht unter Druck setzen – egal, wie eilig es wirkt. Kläre Schritte wie die Unterzeichnung einer Aufhebungsvereinbarung zuerst rechtlich ab, zum Beispiel bei den kostenlosen juristischen Beratungsstellen, die wir weiter unten listen. In Aufhebungsvereinbarungen tritt man oft versteckt das Recht ab, später noch rechtliche Schritte einzuleiten – lass solche Dokumente vorher prüfen, egal wie eilig es gemacht wird.
Bevor du intern meldest, wirf einen Blick ins Reglement oder den Verhaltenskodex. Gut zu wissen: Bei sexueller Belästigung müssen Vorgesetzte in vielen Betrieben handeln, sobald sie davon erfahren – teils auch dann, wenn du eigentlich wolltest, dass vorerst nichts passiert.
Du hast bereits den Schaden erlitten. Es ist eine Frechheit und ein grosser Fehler im System, dass du dich auch noch selbst um die Durchsetzung deiner Rechte kümmern musst. Eine Diskriminierungserfahrung belastet oft auch psychisch, das ist eine normale Reaktion auf eine verletzende Situation. Es gibt viele Wege, mit der Situation umzugehen. Wähle den, der zu dir und deinen Kräften passt, und hol dir Unterstützung dabei.
Viele Betroffene zweifeln irgendwann an sich selbst: War das wirklich so schlimm? Bilde ich mir das ein? Dieses Selbst-Anzweifeln gehört leider oft dazu. Es hilft, mit anderen zu sprechen und weitere Perspektiven einzuholen, gerade auch mit anderen Betroffenen. Viele erleben dann einen Wechsel: von «mein individuelles Problem» zu «das ist ein typisches, systematisches Muster». Genau dabei helfen die ECHOs.
Auch wenn du noch nicht weisst, ob und wie du vorgehst: Halte Datum, Situation, Zeugen und Reaktionen fest. Diese Dokumentation kann später entscheidend sein.
Phasen & Orientierung
Eine Erfahrung von Diskriminierung oder Machtmissbrauch durchläuft typischerweise verschiedene Phasen. Ausgehend von den Erfahrungsberichten aus unserem Netzwerk – ergänzt um wissenschaftliche Erkenntnisse – haben wir einen typischen Verlauf skizziert. Diese Phasen sind kein festes Schema, und oft springt man hin und her – dennoch kann es dir helfen einzuordnen, wo du gerade stehst.
01
Du spürst, dass etwas nicht in Ordnung ist, kannst es aber noch nicht benennen. Oft zweifelst du zuerst an dir selbst.
02
Aus dem diffusen Gefühl werden langsam Worte. Du erkennst Muster – und kannst Diskriminierungsmerkmale oft klar(er) benennen. Du merkst, dass es nicht an dir liegt.
03
Du fragst dich, wie es weitergeht. Mehrere Wege stehen offen, und es kann sich widersprüchlich anfühlen.
04
Du wirst aktiv – oder entscheidest dich bewusst für Abstand. Beides ist ein Schritt.
05
Auch wenn die Situation vorbei ist, wirkt sie nach. Wut, Erschöpfung und Erleichterung können sich abwechseln.
Verstehen
Diese Beiträge sollen Betroffenen helfen, mit ihren Erfahrungen umzugehen. Wir greifen regelmässig einzelne Themen auf, um Diskriminierung verständlicher zu machen und Wege zum Umgang damit aufzuzeigen.
Erste Orientierung bei Diskriminierung und Machtmissbrauch am Arbeitsplatz
Erste Orientierung bei Diskriminierung und Machtmissbrauch am Arbeitsplatz – wahrnehmen, benennen, klären, entscheiden und verarbeiten.
Welche Formen es gibt, wie das Recht je nach Merkmal unterschiedlich schützt – und welcher erste Schritt sich immer lohnt.
Ein Überblick über die Diskriminierungstatbestände am Arbeitsplatz – durchgespielt am Beispiel der Kündigung. Mit drei Prüffragen zur eigenen Situation, einer ehrlichen Bilanz zum Schweizer Recht und dem einen Schritt, der Klarheit bringt.
GEPLANTE BEITRÄGE
Du bist Fachperson oder selbst betroffen und möchtest einen Beitrag beisteuern oder verlinken, der Betroffenen direkt hilft? Wir freuen uns – unter eigenem Namen oder anonym.
Wir machen ECHO freiwillig, weil wir Betroffenen helfen wollen. Wenn dir eine Seite, ein Hinweis oder ein Gespräch geholfen hat, freuen wir uns über ein kurzes Wort. Genau das ist es, was uns weitermachen lässt.
Wir freuen uns sehr über Rückmeldungen und sind darauf angewiesen, um den Bedarf zu treffen: Was hat geholfen, was fehlt, welche Erfahrungen hast du gemacht? Schreib uns über das Kontaktformular.