Über

Über ECHO

Menschen, die am Arbeitsplatz diskriminiert wurden, haben einander gesucht, einander zugehört und weitergeholfen. Daraus ist das ECHO-Netzwerk entstanden. Ein Ort, der Stimmen bündelt und Erfahrungen sichtbar macht.

Warum es ECHO gibt

Vom eigenen Fall zum gemeinsamen Muster.

Wer Diskriminierung erlebt, wird oft isoliert. Viele zweifeln an sich selbst und verstehen nicht, was ihnen geschieht. Genau das haben auch wir erlebt.

Und wir haben erlebt, was sich ändert, sobald man mit anderen spricht und die eigene Geschichte in ihren Geschichten wiedererkennt. Etwas verschiebt sich: Plötzlich stehst du nicht mehr allein gegen alle. Du erkennst die eigene Geschichte in den Erfahrungen anderer wieder – und triffst auf Menschen, die unterstützen, helfen und stärken. Und du begreifst: Die, die diskriminieren, liegen falsch. Nicht du.

Diesen Moment soll ECHO für möglichst viele Menschen möglich machen.

«Wenn aus ‹ich› ein ‹wir› wird, bekommt das Geschehene seinen Namen: Diskriminierung.»
— Rachel Mende, Mitinitiantin

Die Lücke, die wir schliessen wollen

Überall sonst werden Betroffene einbezogen. Sie sitzen in Gremien, werden angehört, haben Verbände und Sprecher:innen. Bei Diskriminierung am Arbeitsplatz ist das anders: Wer sie erlebt, bleibt anonym und isoliert – oft aus gutem Grund. Damit fehlt aber die Möglichkeit, sich überhaupt zu organisieren und gemeinsam zu sagen, was sich ändern muss.

Dabei liegen die Antworten längst bei den Betroffenen. Schon unsere ersten Beiträge zeigen, woran es hakt: wie schwer es ist, eine Anwältin zu finden, die sich auskennt und verfügbar ist. Wie viele aufgeben, bevor überhaupt jemand von ihrem Fall erfährt. Wie viel Zeit vergeht, bis man weiss, wohin man sich wenden kann. Das sind keine Einzelschicksale, sondern Lücken, die man benennen und schliessen kann – wenn jemand sie sammelt.

Deshalb endet ECHO nicht, wenn ein Fall abgeschlossen ist. Auch danach bleibt deine Erfahrung wichtig: Sie hilft anderen, sich wiederzuerkennen, und sie wird Teil dessen, was wir gemeinsam einfordern. Ob du dich dabei einbringen willst, entscheidest du. Wichtig ist, dass jemand da ist, der zuhört, der deinen Fall ernst nimmt und der damit arbeitet.

Unsere Vision: In der Schweiz wird über Diskriminierung am Arbeitsplatz nicht mehr ohne die Betroffenen entschieden. Und niemand, der sie erlebt, muss den Weg allein suchen.

«Mein Fall ist abgeschlossen. Meine Erfahrung ist es nicht.»
— aus dem ECHO-Netzwerk

Was wir bauen

Dieselbe Arbeit, zwei Wirkungen.

SOFORT · FÜR DIE EINZELNE

Betroffene stärken

Wir orientieren und vernetzen. Wir zeigen dir mögliche Wege und die Erfahrungen, die damit gemacht wurden: von rechtlicher Gegenwehr bis zum Aussitzen mit erhobenem Haupt. Alle Wege sind legitim, du entscheidest. Und du findest bei uns Menschen, die verstehen, wovon du sprichst, weil sie es selbst erlebt haben.

Was wir nicht tun: einschätzen, ob es Diskriminierung war, oder dir sagen, was du tun sollst. Wir zeigen dir, wo du genau das bekommst.

STRUKTURELL · FÜR DAS SYSTEM

Strukturen verändern

Wir bauen ein Archiv auf, das es so noch nicht gibt: alle Fälle, nicht nur die, die vor Gericht landen. So wird sichtbar, wie Diskriminierung am Arbeitsplatz tatsächlich verläuft, welche Muster sich wiederholen und an welchen Stellen Menschen im Stich gelassen werden.

Dabei bleiben wir nicht stehen. Aus den Erfahrungen formulieren wir gemeinsam Forderungen — denn ein Archiv allein bleibt Material, das andere deuten. Erst Forderungen machen daraus eine Position, die man zitieren, einladen und umsetzen kann. Wir bringen sie dorthin, wo sie wirken können: zu Fachstellen, in die Forschung, in die Politik. Im Dialog, gemeinsam statt gegeneinander.

Das eine ist nicht die Vorstufe des anderen. Hilfe für die Einzelne und strukturelle Veränderung sind bei uns nicht zwei Programme, die um Ressourcen konkurrieren. Es ist dieselbe Tätigkeit.

Ein Kreislauf, kein Einbahnweg

  • 01

    Du findest Orientierung.

  • 02

    Du erfährst, dass andere Ähnliches erlebt haben.

  • 03

    Du teilst, wenn du möchtest, deine Erfahrung.

  • 04

    Deine Erfahrung hilft anderen Betroffenen.

  • 05

    Deine Erfahrung trägt zu struktureller Veränderung bei.

Das macht aus ECHO eine Bewegung statt einer Sammlung.

Unser Rahmen

Was ECHO ist – und was nicht.

Damit von Anfang an klar ist, worauf du dich einlässt – und worauf nicht.

Das machen wir

  • Zuhören und einordnen
  • Zeigen, welche Wege es gibt und wie es anderen ergangen ist
  • Gezielt an passende Stellen, Fachpersonen und Informationen weiterleiten
  • Erfahrungen als anonymisierte ECHOs sichtbar machen
  • Gemeinsam formulieren, was sich ändern muss

Das machen wir nicht

  • Keine Rechtsberatung
  • Keine therapeutische Begleitung
  • Keine offizielle Meldestelle
  • Keine Dauerbegleitung

Wir ersetzen keine individuelle Beratung, keine anwaltliche Vertretung und keine professionelle Behandlung. Wo du das brauchst, zeigen wir dir, wo du es bekommst.

Und wir bauen nur auf, was wir selbst tragen können: das Netzwerk und das Archiv. Aus der Arbeit mit Betroffenen entstehen laufend weitere Ideen — für die meisten davon braucht es Organisationen mit Personal, Struktur und Erfahrung. Solche Vorhaben halten wir fest, suchen die richtige Trägerschaft dafür und geben sie weiter. Was wir einbringen, ist das, was sonst niemand hat: das Wissen aus der Erfahrung der Betroffenen.

Wer hinter ECHO steht

Von Betroffenen getragen, von Fachpersonen unterstützt.

Initiantinnen

Rachel Mende

Rachel Mende ist Mitinitiantin des ECHO-Netzwerks. Sie hat selbst Diskriminierung im Zusammenhang mit Mutterschaft und Arbeit erlebt und ihre Erfahrung öffentlich gemacht. Als Organisationsentwicklerin mit Weiterbildungen zu Diversity- und Gleichstellungskompetenz bringt sie zudem Fachwissen ein. Aus dem Austausch mit anderen Betroffenen entstand die Idee, die Erfahrungen vieler zu sammeln und für alle nutzbar zu machen.

Natalie Urwyler

PD Dr. med. Natalie Urwyler ist Anästhesie- und Notfallärztin. Ihre diskriminierende Kündigung nach der Geburt ihres Kindes hat sie gestützt auf das Gleichstellungsgesetz erfolgreich angefochten – mit einem Präzedenzurteil. Sie ist Mitgründerin und Vorstandsmitglied des Vereins strukturelle, der sich für Gleichstellung und transparente Strukturen am Arbeitsplatz einsetzt, und wurde für ihr Engagement mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Prix Courage.

Ein wachsender Kreis von Betroffenen

Hinter ECHO stehen weitere Betroffene, die mitdenken und mitarbeiten – aus nachvollziehbaren Gründen aber nicht namentlich auftreten.

Genau dieser Schutz ist Teil unserer Idee: Niemand muss sich exponieren, um etwas zu bewegen.

Unterstützer:innen & Fachpersonen

Michèle Bigler

Michèle Bigler engagiert sich für Gleichstellung und unterstützt ECHO beim Aufbau: Sie koordiniert die Umsetzung, bringt Struktur in die Arbeit des Netzwerks und wirkt an Website und Beiträgen mit.

Dazu kommen Menschen aus unseren Netzwerken, die Fachwissen, Erfahrung, Kontakte, Reichweite oder Zeit einbringen. Der Kreis wächst weiter – vielleicht bald mit dir?

Mitmachen & Unterstützen →

Wo wir stehen

Schritt für Schritt im Aufbau.

ECHO ist im Aufbau. Du kannst dich ab sofort melden. Wir hören zu, ordnen mit dir ein und zeigen dir, wo du die passende Unterstützung findest. Parallel bauen wir Netzwerk, Angebote und Trägerschaft Schritt für Schritt weiter aus.

  • 2022

    Informeller Start: Betroffene vernetzen sich, erste gegenseitige Unterstützung.

  • Jetzt

    Website & Pilotphase: erste ECHOs, Wissenssammlung, Aufbau des Netzwerks.

  • Als Nächstes

    Öffentlicher Start, Vereinsgründung und Ausbau.

Für Fachpersonen

Die Rolle, die wir einnehmen

Aus Netzwerk und Archiv folgt etwas, das im Schweizer Feld heute fehlt: eine Adresse, an die man sich wenden kann, wenn man die Betroffenenperspektive braucht.

Wenn eine Hochschule Feldzugang für eine Studie sucht, ein Amt eine Konsultation durchführt, eine Redaktion Menschen finden will, die aus eigener Erfahrung sprechen, oder ein Verband wissen möchte, was Betroffene tatsächlich brauchen – dann gibt es jemanden, den man fragen kann.

Wir vertreten dabei die Betroffenensicht, und nur diese. Wir haben kein Mandat, keine Finanzierung von Arbeitgeberseite und keinen Interessenkonflikt. Das ist kein Verdienst, sondern eine Folge unserer Konstruktion.

Niemand aus dem Netzwerk wird ohne ausdrückliche Zustimmung vermittelt. Jede Anfrage erklären wir der betroffenen Person offen, und ein Nein hat keine Folgen.

Was wir beitragen

Erfahrungen, die sonst nirgends erfasst werden. Wir sammeln auch die Fälle, die nie vor eine Schlichtungsbehörde gelangen – und das, was nach einer Beratung passiert.

Anonymisierte Musterauswertungen, die Sie für Ihre Berichterstattung, Ihre Anträge und Ihre fachliche Arbeit verwenden können.

Eine organisierte Betroffenenperspektive, die mitreden kann – etwas, das sich für Projektanträge schwer selbst herstellen lässt.

Das ergänzt, was das Wissensportal equality-law.ch leistet. Dort liegen Gerichts- und Schlichtungsentscheide, neutral formuliert, für juristische Fachpersonen. Bei uns liegen Erfahrungsberichte aus der Feder der Betroffenen – auch zu Fällen, die dort nie ankommen, und zu Ebenen, die ein Entscheid nicht abbildet. Andere Datenart, anderes Publikum, dasselbe Ziel.

Was wir suchen

Fachstellen und Institutionen als Partnerinnen. Sie weisen Menschen nach Abschluss eines Falls auf ECHO hin, wir geben anonymisierte Musterauswertungen zurück.

Hochschulen und Forschungsstellen als methodische Mitverantwortung für das Archiv. Wir sind Datenpartnerin, Sie führen.

Einbezug in Projekte, Begleitgruppen, Vernehmlassungen und Anträge, wo die Betroffenenperspektive gebraucht wird.

Türen zu Stiftungen, Fachstellen, Medien und möglichen Trägerorganisationen.

Wie wir arbeiten

Wir sind keine Beratungsstelle und keine Konkurrenz zu den bestehenden Fachstellen. Wir übernehmen keine Fälle und schicken Menschen zu den Stellen, die zuständig sind.

Wir nennen keine Arbeitgeber, weder öffentlich noch gegenüber Dritten. Wir behaupten keine Prävalenz: Wir sagen, was sich in unseren Fällen wiederkehrend zeigt, nicht, wie häufig etwas in der Schweiz vorkommt. Betroffene zahlen nie. Kein Geldgeber erhält Einsicht in Falldaten oder Einfluss auf inhaltliche Positionen.

ECHO wird derzeit freiwillig getragen. Der Aufbau einer verantwortlichen Trägerschaft ist Teil des Pilotprojekts.

Auf Anfragen von Institutionen antworten wir, auch wenn die Antwort Nein lautet. info@echo-netzwerk.ch – Medienanfragen mit dem Stichwort «Medien».

Häufige Fragen beantworten wir im FAQ →